Ostern 2016

„Was seid ihr so mutlos?“ Diese Frage stellt Jesus seinen Jüngern als das Schiff auf dem sie gemeinsam über den See führen in einen Sturm gerät, während er auch im Sturm seine Ruhe nicht verlor.

 

Für mich war die Hauptmotivation meine Ausbildung in Rickling zu beginnen, meine Glaubensfragen zu klären. Einen Ort zu finden an dem ich mich austauschen könnte über Glauben, über Gott, über Jesus. Ich war fest davon überzeugt, wenn ich nur wüsste, den Beweis hätte, dass Gott wirklich ist, dann würde ich alle Unbillen des Lebens ertragen können

Daran denke ich öfter, wenn Gott sich so gar nicht zeigen will wie ich es gern hätte, dass er sich in meinem Leben zeigt.

 

In den Stürmen des Lebens sozusagen geht mir Gott, so will es scheinen, immer wieder verloren. Es sieht dann so aus, als wolle er meinen Glauben prüfen, als würde er mit all dem Missgeschick einverstanden sein, wenn er es nicht sogar verursacht hätte.

Ich fange an diesen Glauben an den prüfenden Gott mehr und mehr in Frage zu stellen. Warum sollte  ein mich bedingungslos liebender Gott mich strafen wollen, irgend  Jemanden prüfen wollen? Und wie soll ich da vertrauen, wie soll ich mich diesem Gott anvertrauen?

 

Dennoch kann ich am Leiden der Welt und an meinem persönlichen Leiden nicht vorbeigehen.

 

Ist Gott also doch nicht nur gütig? Muss ich für irgendetwas bezahlen, das ich getan habe? Ich kann mich zwar nicht so richtig erinnern, aber es muss da eine Sünde sein, die begangen wurde, so etwas wie eine Todsünde die mich und jeden  auf eine bestimmte Art und Weise immer wieder bezahlen lässt.  Das passt, das erklärt mir meine Welt, das erklärt mir aber auch warum sich nichts wirklich ändert, warum dieses Himmelreich immer so fern bleibt. Ich habe gesündigt und nun muss ich die Konsequenzen tragen und es gibt kein Zurück. Ich kann auf einen wankenden Gott hoffen, der manchmal meine Gebete erhört, manchmal aber auch nicht. Sicherheit finde ich in dieser Situation nicht wirklich, was bleibt ist eher eine trügerische Hoffnung.

 

Und was hat das mit Ostern zu tun?

 

Wenn das Erkennungszeichen der Welt die ich sehe der Tod ist, wenn also der Satz: „Der Tod ist der Sünde Sold“ diese Welt beschreibt und dass Tod mehr ist als nur das Sterben einer Kreatur, wenn es letztendlich ein Synonym für jegliches Leiden, jeglichen Verlust und jeglichen Schmerz ist, dann erzählt Ostern eine ganz andere Geschichte.

 

Sie erzählt uns davon, dass Jesus nicht an die Sünde geglaubt hat, dass er Vergebung lehrte, dass er den gütigen Vater erinnerte, der mit Freuden auf die Heimkehr des Sohnes wartet.

 

Und das ist für mich Ostern, mich daran erinnern, dass nichts verloren ist, dass Gott nur gütig ist und dass Leiden und Tod niemals sein Wille ist.

 

Nun kann ich mich wieder aufmachen und Vertrauen lernen, kann meine Glaubenssätze hinterfragen und mich mit Jesus an meiner Seite aufmachen, wirklich diese Welt des Todes hinter mir lassen.

 

Fürwahr er ist auferstanden.

 

Ich wünsche euch allen ein gesegnetes Osterfest.

 

Susanne

 

Nachruf Walter Wahls-Macco
Flüchtlinge willkommen heißen, begleiten, beteiligen